Waffenruhe - Tiefschwarz-weißes Rot

Waffenruhe - Tiefschwarz-weißes Rot
Mini-CDr
Vertrieb: Castellum Stoufenburc
Erscheinungsjahr: 2013





Mit „Tiefschwarz-weißes Rot“ schickt sich die deutsche Martial-Industrial Formation WAFFENRUHE an, endlich wieder neues Material zu veröffentlichen. Zuvor waren 2012 eine Download-Single sowie der erste Teil der „Evropean Brotherhood Trilogy“ erschienen, eine Kooperation zwischen WAFFENRUHE und LEGIONARII, und leider wird diese Trilogie wohl Fragment bleiben, denn die namensgebende „European Brotherhood“ wurde inzwischen wieder aufgelöst.
Wer die melancholischen Klänge von WAFFENRUHE inzwischen vermisst hat, kann nun beruhigt aufatmen: „Tiefschwarz-weißes Rot“ wird jeden aufgeschlossenen Hörer sofort in seinen Bann ziehen. Beginnend mit dem extrem starken Eröffnungstitel „Einklang“, nehmen uns WAFFENRUHE auf eine Reise in Europas Vergangenheit mit. Eine absteigende Synthesizermelodie eröffnet das Stück, bald erklingt eine Orgel und erzeugt eine sakrale Stimmung, die den Hörer unweigerlich gefangen nimmt. Vergleiche, sofern sie denn überhaupt zugelassen sind, würde ich am ehesten noch mit LES JOYAUX DE LA PRINCESSE oder sehr frühen DERNIÈRE VOLONTÉ bzw. BLUTHARSCH ziehen. Der Künstler ist jedoch weit von einem bloßen Plagiat entfernt, vielmehr zieht sich der sehr eigene WAFFENRUHE Stil durch alle sechs Stücke des Mini-Albums. „Tag der Rückkehr“ oder „Hymne der Gefallenen“  sind solche Titel, in denen man die liebgewonnene WAFFENRUHE -Handschrift sofort erkennen kann, sowohl inhaltlich als auch in ihrer äußeren Form. Hier gesellen sich schwere Trommeln zu den allgegenwärtigen Orgeln und Streichern, und im Text werden zwei Themen angesprochen, die wohl noch für lange Zeit ein Reizthema in unserer Gesellschaft bleiben werden. „Tag der Rückkehr“ setzt sich dabei mit der Problematik der Heimatvertriebenen auseinander, während „Hymne der Gefallenen“ von den Opfern spricht, die die letzten Kriege vom Volk abverlangt haben. „Ausklang“, das ganz am Ende noch einmal die Melodie des Eröffnungsstücks aufnimmt, bildet den formalen Abschluss des Werkes und hinterlässt einmal mehr einen nachdenklichen Hörer.
Selten habe ich in letzter Zeit ein so wunderbares Werk gehört, das mit seinen 26 viel zu kurzen Minuten wirklich Appetit auf mehr macht. Allerdings ergibt sich aus der Kürze des Albums eine perfekte, in sich abgeschlossene kleine Welt, die ich immer wieder betreten und erkunden möchte.
Castellum Stoufenburc erfreut uns bei dieser strikt limitierten Veröffentlichung erneut mit individuellem Design. Die Papierbox ist handbemalt und enthält eine 3“ CD, ein bedrucktes Einlegeblatt sowie einen sehr schön gestalteten Aufnäher von hoher Qualität. Ein wenig schade ist es, dass die Papierbox beim Versand etwas gelitten hat; hier würde ich mir beim nächsten mal einen etwas stabileren Karton wünschen. Verpackt ist das Gesamtwerk in einem kleinen Jutesäckchen, das mit dem Logo des Labels verziert wurde. Da nur noch wenige Exemplare erhältlich sind, wird das Album wohl bald ausverkauft sein, eine hohe Verbreitung unter Fans und Sammlern wäre aber aufgrund der hohen musikalischen Qualität wünschenswert.
mr.