Wintertage, Teil 2: The Day of the Antler - A Call to Greatness

The Day of the Antler - A Call to Greatness
CDr
Vertrieb: Castellum Stoufenburc
Erscheinungsjahr: 2012








Die bereits angesprochene zweite neue Veröffentlichung von Castellum Stoufenburc liefern uns THE DAY OF THE ANTLER. Hinter diesem Bandnamen verbirgt sich Jani Hellén, doch auch hier umgibt ein ominöser Schleier den Schöpfer des bereits 2010 schon einmal veröffentlichten Werkes "A Call to Greatness". Kaum zu glauben, dass ein Künstler heutzutage ohne eigene Homepage auskommen kann; noch nicht einmal bei den üblichen sozialen Verdächtigen scheint sich Herr Hellén zu tummeln: Weder Facebook noch Last.fm & Co. liefern auch nur eine einzige wirklich brauchbare Information, um sich mit dem Musiker auseinanderzusetzen.
Nun, das schadet nichts, um so mehr sind wir angehalten, uns ausschließlich mit der Musik des Projektes zu beschäftigen. Und die hat es in sich. Ausnahmslos alle Songs sind Coverversionen bedeutender Heavy Metal Songs. Aber: Alle Lieder werden im Neofolk-Stil vorgetragen, mit Akustikgitarre, Schlagwerk und gelegentlichen zusätzlichen Effekten.

Nun muss ich gleich vorausschicken, dass ich mit Heavy Metal (in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen) noch nie so richtig warm geworden bin. Nicht vor über 20 Jahren, als mein Zimmergenosse im Studentenwohnheim mich mit HELLOWEEN quälte, und auch später nicht, als Nu-Metal plötzlich in aller Munde war. Das soll keineswegs abwertend klingen, diese Musik war nur einfach niemals "meine Tasse Tee".
Als Anfang der 2000er Jahre auf Eis & Licht die 10" EP von CADAVEROUS CONDITION herauskam, habe ich es frohen Mutes noch einmal versucht, doch selbst da hatte es bei mir noch nicht "Klick" gemacht. Metal-Gegrunze mit Neofolk-Gitarren? Das ging schon gar nicht. Entsprechende Bedenken hatte ich denn auch, als mir Castellum Stoufenburc Ende 2012 das vorliegende Album zur Rezension anbot. Metal-Songs im Neofolkgewand? Ich war erst einmal skeptisch.

Um so überraschter war ich, als ich mir "A Call to Greatness" anhörte und nach gut 40 Minuten angenehmer Unterhaltung bereits am Ende des Albums angelangt war. Was zuerst auffällt: Alle Songs ließen sich erstaunlich gut in den akustischen Stil übertragen. Zwar kann man bei fast allen Liedern noch ihren Ursprung heraushören, ich bilde mir aber ein, dass unvoreingenommene Hörer, die die Originalversionen nicht kennen, die Lieder als durchaus eigenständige Werke kennenlernen können. Frappierend ist die inhaltliche Übereinstimmung vieler Themen, die Neofolk und Metal ganz offensichtlich hatten und immer noch haben. Nordische Mythologie, Schlachtenhymnen, Glorifizierung von Heldentum, Ehre, Kampf, Ruhm, Natur und Tod... Für Liebhaber beider Szenen mögen diese Überschneidungen ein alter Hut sein, mir sind sie bis zu dieser Veröffentlichung jedoch noch nie so deutlich klar geworden.

Die interpretierten Stücke stammen meist aus den 80er Jahren und wurden ursprünglich von Genre-Größen wie IRON MAIDEN oder MANOWAR geschrieben. Wir müssen also nicht befürchten, eine weitere unsägliche Coverversion von "Nothing else matters" präsentiert zu bekommen. Gegenüber der Erstveröffentlichung bietet die Neuauflage 3 zusätzliche Lieder, die für mich auch gleichzeitig die besten Stücke sind: "The Duellists", "Warrior-Throw Down The Sword" und "Battle Hymn". Jani Hellén singt alle Lieder mit tiefer, unverzerrter Stimme, auf jegliche "Growls" wird glücklicherweise verzichtet. Und ganz ehrlich: Wildes Gegrunze hätte die Atmosphäre dieses Albums nur zerstört. Meist gelingt ihm die interpretatorische Gratwanderung auch ganz gut, nur beim Opener "Flash of The Blade" schmerzt der Versuch ein wenig, in die höheren Gesangslagen des Originals zu wechseln. Skip. Das war aber auch schon mein einziger Kritikpunkt, der Rest des Albums ist wirklich gut gelungen.

Abschließend noch ein Wort zur optischen Gestaltung der CD: Hier wählte das Label einen wesentlich schlichteren Ansatz, der jedoch im Endergebnis nicht weniger gut aussieht. Die CD ruht in einem dunkelgrünen A4-Blatt aus starkem Papier, das so geschickt gefaltet wurde, dass sich ein handliches Album ergibt, einem Digipack nicht unähnlich. Auch hier schließt eine bedruckte Banderole das kleine Paket stilvoll ab.


mr.
 

Wintertage, Teil 1: Lupi Gladius - Lucania

Lupi Gladius - Lucania
CDr
Vertrieb: Castellum Stoufenburc
Erscheinungsjahr: 2013








Wintertage sind Krankentage, und so war die Freude groß, als der Briefträger vor einigen Wochen die Eintönigkeit des grauen Januars mit einem neuen Päckchen aus dem Hause Castellum Stoufenburc unterbrach, darin gleich 2 neue Veröffentlichungen des jungen deutschen Labels enthalten waren.

Beginnen wir unsere musikalische Reise mit der EP "Lvcania" der italienischen Neofolkband LUPI GLADIUS, oder auch "Lvpi Gladivs", um die lateinische Schreibweise des Bandnamens von der CD zu übernehmen. Was sich auf bisherigen Veröffentlichungen des Labels bereits andeutete, wird auch hier wieder konsequent fortgeführt: Es wird viel Wert auf eine ansprechende optische Gestaltung der CD gelegt. Im Klartext bedeutet das, dass der Silberling in einem Jakepack untergebracht ist, einer Art sich selbst entfaltender Papphülle. Wer sich an die Pop-Up-Bücher seiner Kindheit noch erinnern kann, kann sich in etwa vorstellen, was damit gemeint ist. Verschlossen ist das kleine Paket mit einer schwarz-weiß bedruckten Papierbanderole. Außerdem sind noch ein Button und das Booklet enthalten, das uns die auf den ersten Blick schwer fassbare Tatsache verrät, dass "Lvcania" bereits im Jahre 2003 aufgenommen wurde. Schwer fassbar vor allem deshalb, weil das dargebotene musikalische Material so viel Potential enthält, dass man sich kaum vorstellen kann, welche Gründe dazu geführt haben mögen, dass bis zur Veröffentlichung des Demos ganze 10 Jahre vergehen sollten.

7 Lieder bietet uns die EP, die bis auf "Helden" allesamt in italienischer Sprache vorgetragen werden, daher kann ich zum Inhalt der CD nicht all zu viel sagen. Ich nehme aber an, dass das deutsch gesungene "Helden" mit seinem  schönen und heroischen (allerdings auch etwas plakativen) Text durchaus stellvertretend für den Rest des Werks steht. Leider finden sich im weltweiten Netz kaum Informationen über die Band, ich kann also nicht einmal genau sagen, ob sie tatsächlich noch aktiv besteht. Auch die Facebook- und Myspace-Seiten zeigt sich nicht eben freigiebig, wenn man sich über LUPI GLADIUS informieren möchte.

Den Reigen der Lieder eröffnet "Massacro", das mit seinen martialischen Trommeln durchaus auch von den Landsleuten CAMERATA MEDIOLANENSE stammen könnte, allerdings klingt der hier vorliegende Song eher nach einer Liveaufnahme, mit all seinen Nebeneffekten: Kleine Fehler im Tempo, verwaschener Sound - aber das ist eben der Charme handgespielter Musik.
Und handgemacht ist sie, das merkt man auch in den nachfolgenden Songs, die hundertprozentigen und wunderschönen Neofolk bieten. Dabei werden die Lieder immer wieder von netten musikalischen Einfällen aufgelockert, wie z.B. dem Wolfsgeheul auf "Lupi Gladius", oder der Violine auf "Guerrieri Impavidi". Letzteres ist ganz unzweifelhaft auch der stärkste Song des Minialbums: Rhythmisch, kämpferisch und hymnisch. Die melodische und dunkle Stimme Pietro B.'s fügt sich harmonisch in das Ganze ein.

2 Remixe beschließen die EP. Der erste ist eine modernisierte Version von "Guerrieri Impavidi", neu abgemischt von SPREU & WEIZEN. Sehr gut gelungen, noch rhythmischer als die Originalversion und sogar mit zusätzlichen Vocals von Signore P. versehen. Den absoluten Höhepunkt des Albums liefern für mich aber WAFFENRUHE und THE DAY OF THE ANTLER ab, deren Neuinterpretation von "Massacro" das Original um Längen übertrifft: Ganz wunderbare Musik!

Abschließend kann man Castellum Stoufenburc nur gratulieren, mit LUPI GLADIUS eine wahre Perle vor dem Vergessen bewahrt zu haben.


mr.