The Evropean Brotherhood Trilogy (part I) - Unity

The Evropean Brotherhood Trilogy (part I) - Unity
Waffenruhe & Legionarii
CDr
Vertrieb: Castellum Stoufenburc
Erscheinungsjahr: 2012







Nach Monaten der gemeinsamen musikalischen Suche tritt sie ans Licht: Die Europäische Bruderschaft, initiiert und in dieser ersten Veröffentlichung aufgeführt von Waffenruhe und Legionarii, zwei wichtigen Vertretern des modernen Martial Industrial. Es ist schön, von beiden Künstlern wieder ein Lebenszeichen zu hören, lässt das neue reguläre Waffenruhe-Album doch noch immer auf sich warten (und musste wohl nicht zuletzt durch die vorliegende Veröffentlichung immer wieder verschoben werden). Legionarii sind mir zuletzt auf der EP "Age Of Taurus" erstmalig und äußerst positiv aufgefallen.
Inhaltlich geht es der Europäischen Bruderschaft um das Wiedererwachen längst verloren geglaubter Werte und europäischer Traditionen. Dies ist insofern kein Novum, als unsere dekadente Zeit diese Sehnsüchte geradezu herauszufordern scheint. Die Gleichschaltung der medialen und kulturellen Welt, die zunehmende soziale Kälte untereinander und eine jedem Freidenker oftmals unerträgliche politische Entwicklung fördert und (er)fordert dadurch jene Stimmen, die sich nach einem neuen Europa sehnen. Möglicherweise auch nach einem Europa der alten Form, welcher Richtung und Gewichtung auch immer. Der Vorstellungen der Hörer sind hierbei keinerlei Grenzen gesetzt.
Nun könnte der Eindruck entstehen, "The European Brotherhood" wäre eine politische Veröffentlichung, und ganz von der Hand weisen lässt sich dieser Eindruck sicherlich nicht. Der CD liegt eine Postkarte bei, auf der die Intentionen des Projektes beschrieben sind, und genau hier wird mir versichert, dass es sich bei der Europäischen Bruderschaft um keine politische Bewegung handelt. Dennoch würde ich die vorliegende CD nicht zu 100% unter dieses unpolitische Banner stellen, denn letztendlich ist jede Beschäftigung mit unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage, sei sie nun tagesaktuell oder historisch motiviert, eine politische Äußerung. Doch die Grundaussage hinter der politischen Verweigerung ist klar: Dumpfe Parolen oder eindeutige Zuordnungen zu bestimmten Lagern wird man von beiden beteiligten Bands glücklicherweise nicht vernehmen oder ausmachen können; solche Machenschaften bleiben nach wie vor dem Mob überlassen. Aussagen finden sich wie immer zwischen den Zeilen und für die Augen derer, die das Sehen und Zuhören noch nicht verlernt haben. 

Musikalisch erwartet den Hörer eine düstere und doch irgendwie hoffnungsvolle musikalische Reise durch ein kriegsgeschütteltes Europa. Mächtiges Schlagwerk, Marschtrommeln und schwere Streicher bilden das Grundgerüst, auf dem alle Lieder aufbauen. Schon das erste Stück "Gloriam Fraternitas" empfängt uns mit elektronischen und klassischen Chören und baut damit eine nahezu sakrale Atmosphäre auf. Texte, sowohl gesprochene als auch gesungene Stimmen und Samples, werden anfangs spärlich, später aber verstärkt eingesetzt. Selten stehen sie einmal im Vordergrund wie im feurigen "The Tripartite (EB Version)" oder in "Our fire still burns", das für mich das zentrale Stück des Albums ist. Hier kulminieren alle Themen, die im Verlauf des Albums aufgetaucht sind - und dementsprechend ist dieses Lied auch eine musikalische Kampfansage, hinter deren Refrain "Unser Feuer brennt noch immer" man eigentlich ein Ausrufezeichen setzen müsste. Weitere musikalische Höhepunkte sind das bedrückend schöne "Virum Patria" und das Kammerspiel "Brethren in spirit, brothers in arms", das gegen Ende sogar mit einer Flöte überrascht.

Auf der CD, die übrigens in einer sehr ansprechenden A5 Papphülle mit exzellentem Artwork daherkommt, ist genau vermerkt, welche Band für welchen Song verantwortlich ist. Lässt man aber nur die Musik auf sich wirken, so würde man nicht auf die Idee kommen, hier zwei verschiedene Bands zu hören, so gut ist die Zusammenarbeit der beiden gelungen. Der Titel "Unity" funktioniert daher nicht nur als Aufruf zum vereinten Kampf um ein neues Europa, sondern illustriert sehr schön die Zusammenarbeit beider Künstler. Entstanden ist ein beeindruckendes Werk, das noch lange nachhallt.

mr.