The Evropean Brotherhood Trilogy (part I) - Unity

The Evropean Brotherhood Trilogy (part I) - Unity
Waffenruhe & Legionarii
CDr
Vertrieb: Castellum Stoufenburc
Erscheinungsjahr: 2012







Nach Monaten der gemeinsamen musikalischen Suche tritt sie ans Licht: Die Europäische Bruderschaft, initiiert und in dieser ersten Veröffentlichung aufgeführt von Waffenruhe und Legionarii, zwei wichtigen Vertretern des modernen Martial Industrial. Es ist schön, von beiden Künstlern wieder ein Lebenszeichen zu hören, lässt das neue reguläre Waffenruhe-Album doch noch immer auf sich warten (und musste wohl nicht zuletzt durch die vorliegende Veröffentlichung immer wieder verschoben werden). Legionarii sind mir zuletzt auf der EP "Age Of Taurus" erstmalig und äußerst positiv aufgefallen.
Inhaltlich geht es der Europäischen Bruderschaft um das Wiedererwachen längst verloren geglaubter Werte und europäischer Traditionen. Dies ist insofern kein Novum, als unsere dekadente Zeit diese Sehnsüchte geradezu herauszufordern scheint. Die Gleichschaltung der medialen und kulturellen Welt, die zunehmende soziale Kälte untereinander und eine jedem Freidenker oftmals unerträgliche politische Entwicklung fördert und (er)fordert dadurch jene Stimmen, die sich nach einem neuen Europa sehnen. Möglicherweise auch nach einem Europa der alten Form, welcher Richtung und Gewichtung auch immer. Der Vorstellungen der Hörer sind hierbei keinerlei Grenzen gesetzt.
Nun könnte der Eindruck entstehen, "The European Brotherhood" wäre eine politische Veröffentlichung, und ganz von der Hand weisen lässt sich dieser Eindruck sicherlich nicht. Der CD liegt eine Postkarte bei, auf der die Intentionen des Projektes beschrieben sind, und genau hier wird mir versichert, dass es sich bei der Europäischen Bruderschaft um keine politische Bewegung handelt. Dennoch würde ich die vorliegende CD nicht zu 100% unter dieses unpolitische Banner stellen, denn letztendlich ist jede Beschäftigung mit unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage, sei sie nun tagesaktuell oder historisch motiviert, eine politische Äußerung. Doch die Grundaussage hinter der politischen Verweigerung ist klar: Dumpfe Parolen oder eindeutige Zuordnungen zu bestimmten Lagern wird man von beiden beteiligten Bands glücklicherweise nicht vernehmen oder ausmachen können; solche Machenschaften bleiben nach wie vor dem Mob überlassen. Aussagen finden sich wie immer zwischen den Zeilen und für die Augen derer, die das Sehen und Zuhören noch nicht verlernt haben. 

Musikalisch erwartet den Hörer eine düstere und doch irgendwie hoffnungsvolle musikalische Reise durch ein kriegsgeschütteltes Europa. Mächtiges Schlagwerk, Marschtrommeln und schwere Streicher bilden das Grundgerüst, auf dem alle Lieder aufbauen. Schon das erste Stück "Gloriam Fraternitas" empfängt uns mit elektronischen und klassischen Chören und baut damit eine nahezu sakrale Atmosphäre auf. Texte, sowohl gesprochene als auch gesungene Stimmen und Samples, werden anfangs spärlich, später aber verstärkt eingesetzt. Selten stehen sie einmal im Vordergrund wie im feurigen "The Tripartite (EB Version)" oder in "Our fire still burns", das für mich das zentrale Stück des Albums ist. Hier kulminieren alle Themen, die im Verlauf des Albums aufgetaucht sind - und dementsprechend ist dieses Lied auch eine musikalische Kampfansage, hinter deren Refrain "Unser Feuer brennt noch immer" man eigentlich ein Ausrufezeichen setzen müsste. Weitere musikalische Höhepunkte sind das bedrückend schöne "Virum Patria" und das Kammerspiel "Brethren in spirit, brothers in arms", das gegen Ende sogar mit einer Flöte überrascht.

Auf der CD, die übrigens in einer sehr ansprechenden A5 Papphülle mit exzellentem Artwork daherkommt, ist genau vermerkt, welche Band für welchen Song verantwortlich ist. Lässt man aber nur die Musik auf sich wirken, so würde man nicht auf die Idee kommen, hier zwei verschiedene Bands zu hören, so gut ist die Zusammenarbeit der beiden gelungen. Der Titel "Unity" funktioniert daher nicht nur als Aufruf zum vereinten Kampf um ein neues Europa, sondern illustriert sehr schön die Zusammenarbeit beider Künstler. Entstanden ist ein beeindruckendes Werk, das noch lange nachhallt.

mr.

MARS - Sons of Cain

MARS - Sons of Cain
CD
Vertrieb: :Ikonen: media
Erscheinungsjahr: 2012








MARS - das sind Marcus S. und Oliver F. So neu die Band auch ist, beide Musiker blicken bereits auf eine umfangreiche musikalische Vergangenheit zurück. Diese Erfahrung macht sich bemerkbar, wie das Debütalbum "Sons Of Cain" eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Musik von MARS wird von der Band selbst sehr treffend als "Apocalyptic Pagan Folk" beschrieben. Die Texte aller Lieder sind in englischer Sprache verfasst und behandeln durchweg nachdenkliche Themen am Kreuzweg zwischen Mythologie und persönlich gefärbten Geschichten. MARS verzichten bewusst auf jeden plakativen Anstrich in ihrer Musik, was dem Album einen geschlossenen und sehr ehrlichen Charakter verleiht, auch wenn damit möglicherweise verhindert wird, dass es sich jedem Zufallshörer sofort erschließt. Aber ich bin sicher, dass genau dies die Absicht der Band gewesen ist. Freunde von :Golgatha: oder frühen Sol Invictus werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, den Willen zur eingehenden Beschäftigung mit "Sons Of Cain" einmal vorausgesetzt.
Im Folgenden werde ich versuchen, näher auf einzelne Titel einzugehen.

Mit "Worldserpent" hat das Album einen perfekten Opener bekommen - von sanften Streichern eingeleitet, beginnt ein wunderbar harmonisches Stück, das in der Form eines Traumes vom Erscheinen der Midgardschlange erzählt.
"Hymn To Mithras" - hier werden Erinnerungen an Blood Axis wachgerufen , die das gleiche Gedicht von Rudyard Kipling ("Song To Mithras") als Grundlage für einen ihrer Klassiker verwendet haben. Ein sehr hymnischer und gradliniger Song mit abwechselndem Gesang der beiden Musiker.
"Memories" erzählt von persönlichen Erfahrungen. Erinnerungen fragen nicht nach gut oder schlecht, falsch oder richtig, sie entstehen unabhängig von unseren Intentionen und Plänen. Und doch müssen wir mit ihnen leben, denn sie werden stets ein bedeutender Teil von uns bleiben.
"The Spirit's Glance" - von rhythmischen Trommeln begleitet, entwickelt sich dieser eingängige Titel schnell zu einem der Ohrwürmer des Albums.
"Sons Of Cain" - wir werden Zeuge eines faszinierenden Zwiegesprächs zwischen der Stimme des Gewissens und der sturen Antwort, nur das Befohlene ausgeführt zu haben. Welche Konsequenzen entstehen aus unseren Taten - und welche Verantwortung muss der Mensch letztendlich übernehmen?
"(It Was Never The) Darkness". Von Flötenklängen eingeleitet, wird eine unruhige Atmosphäre aufgebaut, welche die traurige Geschichte eindrucksvoll untermalt. Es war niemals die Dunkelheit, die uns trennte, und doch sind wir in verschiedene Richtungen gedriftet. Wir, das menschliche Treibgut.
"Man's Creation" geht der Frage nach, was der Mensch erschaffen hat - außer dem Tod.
"Thin Red Line" - nur eine sehr dünne Linie trennt Freund und Feind, Krieg und Frieden. Eine Linie, die wir auf unserem Weg in den Abgrund unweigerlich überqueren müssen, wenn wir die Grenze zwischen beiden Extremen erkennen wollen.
"Woodpath". Ein Song, der sich immer mehr steigert, mit folkloristischer Percussion und schließlich gar mit verzerrten Gitarren aufwartet. Wir sind Zeuge der Suche nach den Ursprüngen, nach dem Weg in die Wälder. Und schließlich nach dem, was den Menschen in seiner Essenz ausmacht.
"The Road" ist ein klassisches Roadmovie, das eines der zentralen Themen amerikanischer Folk und Country Musik aufgreift: Der Tag und Nacht andauernden Fahrt, bei der die Straße längst zum Synonym für die (verlorene) Heimat geworden ist.
"Winter" - über schwebenden Streicherflächen baut sich eine eisige Stimmung auf, wenn der Protagonist den Frost und das schneebedeckte Land beschreibt.  Hier wird wieder Bogen zur nordischen Mythologie geschlagen, erinnert das Szenario doch nicht von ungefähr an die Beschreibung des Fimbulwinters.
"Grain". Für Jahrhunderte hat die Menschheit im Einklang mit der Natur gelebt, doch diese Zeiten sind vorbei. Zerstörung greift um sich , längst hat sich der Mensch gegen seine Götter, die Natur, erhoben und damit womöglich seinen Untergang besiegelt. Mit einer berückend schönen Coda aus Percussions, Gitarren und Chor beschließt dieses Stück das Album. Doch wer weiß, vielleicht besteht noch Hoffnung für diejenigen, die es noch verstehen, zu suchen und zu sehen?

Das Debütalbum von MARS besticht durch hypnotisches und hymnisches Liedgut sowie durch eine energische und manchmal raue Produktion. Sparsam eingestreute sphärische Elemente, wie die sakralen Stimmen in "Sons Of Cain", das Filmsample in "Memories" oder die Flöten der Ureinwohner lockern die Atmosphäre des Albums wohltuend auf und sind sehr wirkungsvoll eingesetzt.
Beeindruckt hat mich die inhaltliche Konsequenz des Albums. Eine martialische Thematik, sonst im Bereich des Dark Folk ein gern verwendetes Stilmittel, bleibt vollständig außen vor, auch die Lieder an sich kommen erstaunlich oft ohne mächtige Trommeln oder Pathetik aus. "Sons Of Cain" ist ein Album, auf dem die Percussions eine wichtige Rolle spielen, aber selten stehen sie im Vordergrund, meist beschränken sie sich auf die zurückhaltende Begleitung der in allen Liedern regierenden Akustikgitarre.
Beeinflusst von amerikanischer Folklore und europäischer Tradition, entsteht inhaltlich ein zwiespältiges Bild, das mich nach dem ersten Hören etwas verwirrt zurücklässt, auf der anderen Seite aber mit wunderbaren, harmonischen Kompositionen überzeugt, so dass ich "Sons Of Cain" immer wieder gern einlege. Sei es, um den melancholischen Geschichten zu lauschen, oder einfach nur ein reifes und überzeugendes Folkalbum zu hören, das mich mit seinen gelegentlich an Wakeford, Cohen oder Cash erinnernden Liedern stets von neuem verzaubert.

mr.

Legionarii - Age of Taurus

Legionarii - Age of Taurus
CDr
Vertrieb: Castellum Stoufenburc & UFA Muzak
Erscheinungsjahr: 2012








Eine geheimnisvolle Aura umgibt Legionarii - so ist es, und genau so soll es auch bleiben. Namen und Personen treten hier konsequent hinter dem Gesamtkunstwerk zurück. Wer sind sie, welche Ziele verfolgen sie, wohin mag die Reise führen? Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt, zumindest nicht auf der jüngsten EP "Age Of Taurus".

Hält man die CD in den Händen, fällt als erstes die liebevolle optische Gestaltung des Werkes auf. In schlichten Brauntönen gehalten, ruht die CD in einer einfachen Schutzfolie, die aber wiederum mit Fotoecken in einer wunderschönen A5 Papphülle eingeklebt ist. Die EP ist komplett mit klassischen Zeichnungen und Symbolen des Zodiacus illustriert, wobei eine gesamte Seite von der inhaltlichen Einführung in das Werk eingenommen wird.

Dieser kurze Essay dient gleichzeitig dazu, den Hörer in die Gedankenwelt von Legionarii einzuführen. Inhaltlich geht es um das Aufblühen der germanischen Ur-Rasse (im Zeichen des Stiers), deren Niedergang  (im Zeichen der Fische) und Wiedererwachen (im Zeichen des Wassermanns). Nun ist es jedem Hörer freigestellt, dieser eher esoterischen Interpretation geschichtlicher Ereignisse zu folgen oder mit Skepsis zu begegnen. Ganz neu dürften die aufgestellten Thesen dem an der Materie interessierten Hörer sicher nicht sein, wird er doch sicher mit einigen Hintergründen der Theosophie und Ariosophie vertraut sein. Speziell der hier vertretenen Theorie zum Niedergang des Römischen Reichs möchte der Rezensent nicht ohne weiteres zustimmen, zu sehr vereinfacht erscheinen hier die Schlussfolgerungen. Diese Anmerkung jedoch nur am Rande. Auf "Age Of Taurus" wird der Hörer gefordert; vieles bleibt frei und offen für eigene Interpretation. Nichts erschließt sich auf den ersten Blick, man möchte verweilen und die Gedanken schweifen lassen. 

Auf musikalischer Ebene entrollt sich vor dem geneigten Publikum ein dunkles, martialisches und emotional forderndes Opus der Extraklasse. Pathetische Orchesterklänge, kriegerische Trommeln und tiefe Bläser weben hier einen Klangteppich, der das zyklische Wiedererstehen der Helden der Vergangenheit geradezu mit Gewalt in die Vorstellungskraft des Hörers drängt. Nach einem kurzen Intro ("The Beginning Of Taurus") erklingt bereits das erste der drei Hauptthemen ("The Giant Is Awake"). Zusammen mit dem nachfolgenden, ebenso bombastischen "Historical Turnover" ergibt sich dabei ein Klangbild, das am ehesten noch an den sakralen Industrial erinnert, wie ihn In Slaughter Natives früher zelebrierten. Dies nur zur groben Orientierung, denn kaum ein Künstler mag es, mit anderen Klangschöpfern verglichen zu werden. Mit "Return To Aldebaran" betreten Legionarii ruhige musikalische Gewässer. Und spätestens beim Einsetzen der pulsierenden Synthies wird der Rezensent unweigerlich an den Enya-Klassiker "Aldebaran" erinnert. Mit dem Outro "The End Of Taurus" entlassen uns die Legionäre in eine ungewisse Zukunft, mit Rückblick auf eine ebenso ungewisse Vergangenheit.

Ein großartiges Werk! Für Unentschlossene noch eine kleine Verkaufshilfe: Die CD ist auf 120 Exemplare limitiert!

mr.

V/A Thanateros - Visions of love & death

V/A Thanateros - Visions of love & death
2 CD
Vertrieb: :Ikonen: media
Erscheinungsjahr: 2011





Eigentlich hätte vorliegende Dark Folk & Industrial Compilation bereits Ende 2010 auf dem schwedischen Kult-Label Cold Meat Industry erscheinen sollen, doch der Zusammenbruch des Labels warf die Veröffentlichungspläne in mehrerer Hinsicht über den Haufen. Zum einen war es nun nicht mehr möglich, die Compilation mit dem geplanten Bildband des Fotokünstlers Helmut Wolech zu veröffentlichen, zum anderen entstand die Frage, auf welchem Label das fertiggestellte Werk denn nun erscheinen sollte. Herausgeber Marcus Stiglegger entschloss sich schließlich, die CD über sein eigenes Label :Ikonen: media zu veröffentlichen.
Eine weise Entscheidung, wie man nicht umhin kommen wird festzustellen, wenn man das Doppelalbum einmal in den Händen hält und einen ersten Blick auf Titelliste und Begleitheft wirft. Aus dem ursprünglich geplanten Bildband ist nun ein 16-seitiges Booklet mit den Bildern des Künstlers geworden; die hier ausgewählten Fotos erscheinen durchaus programmatisch für das Schaffen Helmut Wolechs, belegen sie doch eindrucksvoll seine Fähigkeit, Morbidität und Erotik zu kombinieren. Und so gehen beide Themen hier wie selbstverständlich Hand in Hand. Zugegeben, das muss nicht jedermanns Geschmack sein, zeugt aber vom Können Wolechs, Bilder zu erschaffen, die im Gedächtnis haften bleiben. Konsequenterweise gab es bereits im Vorfeld der CD-Produktion einen lebhaften Meinungsaustausch mit der Manufaktur über die Grenzen zwischen Kunst und Pornografie.
Musikalisch erwartet uns auf dem Doppelalbum eine Mischung aus ruhigen Folksongs, Neoklassik, Ambient und lärmigen Industrialstücken, mit vielen bekannten Künstlern und ebenso vielen (noch) unbekannten Namen.

Als Opener der ersten CD "Love" bescheren uns :GOLGATHA: aus Deutschland ein geradezu klassisch anmutendes Stück Neofolk, das ganz in der Tradition großer Namen wie Sol Invictus steht. Instrumental, wunderschön und leider viel zu kurz. Danach folgt mit "A Krakow Mourning" ein ausufernder Song der Sol-Legende TONY WAKEFORD, das sich am Kreuzweg zwischen Ambient und Progressive bewegt und damit (zumindest für mich) eine große Überraschung darstellt. Hat man den Song mehrmals gehört, ist es schwer, sich der faszinierenden Atmosphäre zu entziehen, die Herr Wakeford hier aufbaut.
"Love is a sickness" von SONNE HAGAL liefern hier genau den Song, den ich eigentlich von Tony Wakeford & Co. erwartet hatte, nämlich hymnischen Neofolk. Was nicht heißen soll, dass die Berliner Band hier versuchen würde, große Namen zu kopieren. Zu eigenständig ist der Stil von Sonne Hagel inzwischen geworden. Großartig! APATHEIA legen mit "Temple of oaks" einen schönen Folksong vor, der musikalisch sogar auf die Ursprünge der Folkbewegung verweist. Treibend und eingängig.
SIEBEN, die Band von Matt Howden, geht andere Wege und stellt das elektronisch unterkühlte Roadmovie "Floating" vor, das durch den Einsatz von Howden's Violine seinen ganz typischen Klang erhält. Ein Song, der wie geschaffen für den Clubeinsatz erscheint. Lässig und groovend; die Dunkelheit bleibt (zumindest im musikalischen Bereich) außen vor. Elektronisch geht es mit DERNIÈRE VOLONTÉ weiter, und auch hier zeigt sich, wie clever die Abfolge der Titel gewählt wurde, erscheint das pulsierende "La fète est fini" doch weder als Fremdkörper in dieser Liedersammlung, noch überrascht sie den Hörer, dürfte sich doch inzwischen herumgesprochen haben, dass Geoffroy D. die Tage des Martial Industrial inzwischen weit hinter sich gelassen hat. An sich ein nahezu perfekter Popsong, im positivsten Sinne; der geneigte Hörer sollte selbst entscheiden, ob er/sie die "neuen" Dernière Volonté mag oder nicht. Zurück zum treibenden, klassisch arrangierten Folk mit NAEVUS und ihrem dunklen "Larvicide", das vor allem auf der textlichen Ebene Erinnerungen an die großen erzählenden Lieder der goldenen Zeit des Neofolk weckt, man denke da nur an Klassiker wie "Sheath & Kniffe". JERA NAUTHIZ legen mit "Lydia" ein Lied vor, das sich nahtlos in das Gesamtkonzept einfügt. Möglicherweise liegt es am Gesang, dass ich mich an die Ostara der mittleren Phase erinnert fühle. Gitarren, Schlagwerk und Samples weben ein hypnotisches Bild.
Etwas ruhiger und schräger geht es bei "The last winter" von STOLEN FLOWERS zu, das sich nicht scheut, entrückten Gesang über ein sparsames akustisches Arrangement zu legen. Ein Song, der etwas Zeit und Muße benötigt, um sich zu voller Wirkung zu entfalten. Mit "Secrets of the heart" von AETERNA folgt ein weiterer Höhepunkt des Albums. Aeterna kombinieren hier überaus gekonnt männlichen und weiblichen Gesang (Alpha und Omega), Dark Ambient, Neofolk und bohrende Gitarren. Wieder einmal bin ich beeindruckt von der stilistischen Breite dieser Band. SUB LUNA gehen mit "Flow east" wieder etwas gradliniger vor, erweitern ihren Folksound im Verlauf des Liedes um Streicher und eine Gitarre, die tatsächlich Erinnerungen an einige großartige Momente der Americana/Country Musik weckt.
Die nächste Überraschung halten WHILE ANGELS WATCH für mich bereit, klingt ihr "Savage" Mix doch, als wäre er eigens für Moritatensänger Nick Cave geschrieben worden. Das dunkle Timbre der Leadvocals ist überaus faszinierend, und so verklingt das Stück nach 4 Minuten in einer schwer zu ortenden Soundcollage. Auch "What If" von KENTIN JIVEK mutet ein wenig wie ein Ausflug in die Folkgefilde der 70er Jahre an. Sind das Klangschalen, die das Stück von Anfang bis zum Ende unterlegen? Ich finde es interessant zu beobachten, wie sehr sich die Szene inzwischen vom klassischen Neofolk, wie ihn einst Death in June und Sol Invictus definierten, entfernt hat. Ähnliches ist auch in der Gothic Szene zu beobachten, die inzwischen in all ihrer Buntheit nur noch entfernt an die Anfänge aus den Achtzigern erinnert.
WERKRAUM liefern mit "The lore of thy great fortune" eine wunderbare Ballade, ganz im klassischen Sinne des Wortes. Hier wird eine Geschichte erzählt, hier lohnt sich das Zuhören. ANDREW KING weckt mit "Young sailor bold" sofort Erinnerungen an Ian Read, der uns einst mit ganz ähnlichen Liedern verzauberte. Sehr englisch, fühle ich mich bei Andrew's Vortrag zur Mock Flute Organ sofort 200 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt. Die erste CD klingt mit "Secret Rose" von :GOLGATHA: aus, die uns hier zum Glück noch ein Lied in voller Länge spendieren. Eine gezupfte Gitarrenmelodie wandert über traumhafte Percussionklänge und schwebende, unaufdringliche Synthesizer. Erneut erfreut mich die Band mit einem Text, der von großen Autoren der Vergangenheit inspiriert ist, diesmal von Butler Yeats.

CD Nummer 2 ist "Death" betitelt, und gleich die ersten beiden Stücke (die rhythmischen Samples von VORTEX' "In the void" und das schleppend-dunkle, rockige "All my filth" von COPH NIA) geben eindrucksvoll die Marschrichtung vor. Vergessen scheinen die ruhigen und besinnlichen Momente des ersten Teils. "Death" beleuchtet die morbide Seite der Fotokunst des Helmut Wolech. Das Spannungsfeld zwischen Liebe und Tod ist schon seit den ersten bildlichen Darstellungen des Christentums (bzw. deren spätere Interpretationen durch Carracci oder Caravaggio) ein stets präsentes Thema.
DAWN & DUSK ENTWINED liefern mit "Like a prey at mercy" ein rituell anmutendes Stück, bei dem geflüsterte Wortfetzen und peitschende Rhythmen einen Sog in die Tiefe auszulösen scheinen.
"The Djoruba Virus" von NEGRU VODA vs. PLAGUE MACHINERY überzeugen mich mit einem hypnotischen, zweigeteilten Werk, das noisige Percussions mit an- und abschwellenden Synthies überlagert. Finster klingt das Stück aus und entlässt uns endlich mit Glockenklängen in die Nacht.
ISOMER zerstören die entstandene Stille bei "Mourn" mit verzerrten, fast orchestral anmutenden Drones und noch stärker verzerrten Vocals, während [BLEED] einen ganz ähnlich gelagerten Track präsentieren, der mit kreischenden Echos vielleicht noch stärker die krankhaft-morbide Seite von Schönheit und Lust herausstellt. "Vulgalina Fever" von KRISTOFFER NYSTRÖMS ORKESTER vereint rhythmischen Bombast, verstörende Sprachsamples und webt daraus ein mächtiges Klangbild, wie wir es noch aus den goldenen Zeiten von In Slaughter Natives kennen. In der Komposition von MINK M. RA erwarten uns gemächlich schreitende Rhythmen, zaghafte Pianoakkorde und eine fast rituell anmutende Stimmung, die sich allmählich aufbaut und in einer Klezmermelodie mündet. Sehr überzeugend und ergreifend! Tiefe Cellos eröffnen "Redemption", den Samplerbeitrag von THE TRAIL. Weitere Instrumente und Drones erklingen in Hintergrund, bis eine akustische Gitarre die Führung übernimmt. Dennoch ist der Track weit entfernt davon, in neofolkige Gefilde zu gleiten; die spartanische Instrumentierung und die kalte Stimmung verhindern dies bewusst, so dass eine Platzierung des Songs auf CD Nummer 2 durchaus gerechtfertigt erscheint.
ARKANE aus Griechenland kannte ich bereits von ihren ersten 2 Alben, und mit ihrem neuen Stück "Sirens, Seductresses Of Love And Death" schaffen sie es einmal mehr, mich mit ihrer wunderbaren Mischung aus elektronisch erzeugter Neoklassik und engelsgleichen Stimmen zu verzaubern. Eine Band, die durchaus ihren ganz eigenen Stil kreiert hat. SATORI bieten mit "Entity" eine unheilvolle Collage, die durchaus als Klangkulisse für das eine oder andere gruselige Videospiel herhalten könnte. Tiefes Grollen, Stimmenfetzen, rituelle Trommeln. Finster, sehr finster.
FUCKHEAD, die ich bisher noch nicht kannte, liefern das noisig-experimentelle "Transition", das anfangs wie so viele Dark Ambient Tracks beginnt, doch dann erhebt sich eine auf Metallstäben gespielte Melodie, zu der eine tiefe Stimme beschwörende Worte proklamiert, was mich sehr positiv an die frühen Tage von Laibach erinnert. Fuckhead ist sicher weit entfernt davon, als ein weiterer Laibach-Klon durchzugehen; ihr Samplerbeitrag ist durch die Bank weg sehr überzeugend. Ebenfalls unbekannt war mir bisher das Projekt "53", das hier sehr ruhige 5 Minuten abliefert. Die pulsierende Klangfläche wird immer wieder von metallischen Soundfetzen durchbrochen. Musik, die man nicht einfach nebenbei hören kann, Wie so viele Bands aus dem Dark Ambient/Ritual Sektor erfordern auch 53 ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit vom Hörer. Mit Glockenklang verhallt der vorletzte Song, mit Glockenklang beginnt der letzte Track des Samplers: "Aedicula: Lararium". VERNEY 1826 verbinden hier auf ihre typische Art und Weise Klassiksamples, Chöre, bedrohliche Synthesizerflächen und den eigens für diese Compilation geschriebenen Text.

Abschließend kann ich sagen, dass mich das Album sehr überrascht hat. Ich halte es selbst in unserer "aufgeklärten" Zeit für noch immer sehr mutig, einen Künstler wie Helmut Wolech mit solch einer expliziten Bild- und Tonsammlung der breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, und die im Vorfeld stattgefundene Diskussion mit dem Presswerk über künstlerische Freiheiten spricht eine deutliche Sprache. Umso erfreulicher, dass :Ikonen: media es doch noch geschafft hat, allen Widrigkeiten zum Trotz, dieses Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.
Musikalisch erwartet uns eine sehr weite Reise, vom "klassischen" Neofolk bis hin zu experimentellem Industrial ist vieles vertreten, was in dieser Szene Rang und Namen hat, und darüber hinaus sind mit den zahlreichen bisher weniger bekannten Bands einige sehr positive Überraschungen an Bord. Da ich in dieser Review auf jeden vertretenen Song separat eingehen wollte, möge man mir bitte die gelegentlich gezogenen Vergleiche zu anderen Bands verzeihen. Ich weiß, dass Künstler dies generell nicht mögen, es hilft dem Hörer aber doch bei der Einordnung der Musik. Daher sollten die gezogenen Vergleiche nur als eine grobe Orientierungshilfe gesehen werden.
Fazit: Eine wunderbare und sehr abwechslungsreiche Compilation, die viel Zeit braucht, um sich zu voller Wirkung zu entfalten - und das ist in meinen Augen immer ein gutes Zeichen. Wer nicht gewillt ist, sich diese Zeit zu nehmen, könnte möglicherweise enttäuscht werden. Dies ist Musik, die entdeckt und erobert werden möchte.

mr.

Karma Marata - Das Sturmläuten

Karma Marata - Das Sturmläuten
CD
Vertrieb: SkullLine
Erscheinungsjahr: 2012






Nun endlich halte ich das frisch erschienene Debut-Album „Das Sturmläuten“ von Karma Marata in den Händen. Aufmerksam bin ich auf sie geworden, nachdem ich per Zufall in den Genuß des schwelgerischen Stücks „ In ihren Augen stirbt die Welt“ auf deren zuvor erschienener Split CD „and still remain“ mit Kristian Giorgini (erschienen bei Ufa Muzak/ Skullline) gekommen bin. 
 
Nachdem ich mich zu Beginn des Albums durch die Kriegsschlachtsamples des ersten Stückes gekämpft habe und auch das zweite leider sehr elektronisch gewichtete Stück hinter mir gelassen habe, schien ich mich langsam wieder zu erinnern, was es war, dass mich Karma Marata hat aufhorchen lassen. 
 
Und das war die sehr gefühlvolle und unpretentiöse Leistung des Sängers in Klang und Wort, welche mich in einen zeitlosen Zustand versetzt und mich hinfortträgt, aus der uns allumgebenden Schnelligkeit. Der zur Besinnlichkeit aufzurufen scheint, zur Poesie und Anmut.

Thematisch scheinen sich Karma Marata häufig zwischen wohlklingendem Altbewährtem zu bewegen, wie Sehnsucht, Freiheit, Rückbesinnung, Schönheit und Natur.

Da sich diese Musikergruppe keinen Genrebeschreibungen hingeben möchte, werde ich diesen Versuch auch nicht wagen, auf die Gefahr hin durch einengende Begrifflichkeiten der Tiefe und Vielschichtigkeit dieser jungen und mutigen Formation nicht gerecht zu werden. Mutig deshalb, weil vielleicht die einen oder anderen Stimmen Karma Maratas Musik als gefühlsduselig und pathetisch abzutun geneigt sind. Aber was wären wir ohne eben diese Gefühle und dem Wagnis diese immer wieder durch die Schönheit der Sprache und der Musik zum Ausdruck zu bringen und damit zu bewegen und sich bewegen zu lassen?

Mit dem Stück „Herbstlaub“ zeigen sich die Musiker wieder von einer Ihrer starken Seiten, unversteckt hinter englischer Sprache, dessen Unterschied leider wirklich eine erkennbare Kluft aufwirft. Es wirkt, als könne der Sänger durch seine Muttersprache in eine doch deutlichere Tiefe einkehren und dem Zuhörer damit noch eindringlicher sein Gedachtes vermitteln. Deshalb bevorzuge ich auch jene Stücke, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Alles in allem schwankt das Album zwischen seinen strahlenden und seinen noch suchenden, verklärteren Lichtern. Aber es lohnt sich allemal hinein und hinzuhören! Nicht zuletzt für denjenigen, welcher einen Weg sucht sich des Alltags zu entledigen und sich zurückzubesinnen auf andere Zeiten.

Aden

Stern des Bundes - Wahres und Schönes

Stern des Bundes - Wahres und Schönes
CDr
Vertrieb: Eigenproduktion
Erhältlich über: Castellum Stoufenburc
Erscheinungsjahr: 2012






Ein Freund zu Gast bei einem Freund vernimmt die Klänge im Hintergrund:

Gast: „Was is DAS denn, was du da hörst?“
Freund: „Das sind Stern des Bundes.“
Gast: „Hää, und was ist das?“
Freund: „Na, Stern des Bundes eben!“

So oder so ähnlich könnte eine erste Begegnung mit den Klängen der jungen Kapelle Stern des Bundes ablaufen.

Eine gewisse Befremdlichkeit, die in einem aufsteigt, wenn man ihrer Musik lauscht, rührt wohl daher, dass man es mit Künstlern zu tun hat, die sich was trauen, die mal was Neues wagen.
Da man jedoch schnell dabei ist, Dinge beim Namen zu nennen, würde mir als erste Assoziation Max Raabe einfallen, wenn ich dem klaren, theatralisch wirkenden Gesang folge.

Allerdings stellt man im Laufe des Albums schnell fest, dass es sich hier um ein striktes Konzept handelt und Stern des Bundes Freude daran haben, mit der deutschen Sprache und ihrer Betonung zu spielen.
Ihre Eigenart deutsche Gedichte zu interpretieren, unterlegen sie mit zum Teil feinster Neoklassik, aber auch durchaus eher experimentellen Klängen.

Alles in allem könnte man das ganze Projekt als experimentell bezeichnen und nach seiner Prüfung den Befund absolut gelungen attestieren!

Für jeden Freund deutscher Musik & Kultur sind Stern des Bundes ein Muß.
Hier wird Musik zelebriert und Poesie gelebt!
Bei jedem erneuten Abspielen ihrer Scheibe, stelle ich mir eine große Bühne vor, auf der mich die beiden Künstler voll und ganz einnehmen.

Stern des Bundes sind gewagt, aber eben auch absolut authentisch und eben genau das macht sie so großartig!
Traut Euch auch!

Ihre Demo-CD ist eine professionelle Eigenproduktion und auf Castellum Stoufenburc erhältlich.

Narzissus

Im Einsatz - Alerte en pays neutre

Im Einsatz - Alerte en pays neutre
CD
Vertrieb: Slaughter in Art
Erscheinungsdatum: 2010






Hier wurden ja bereits des öfteren verspätete Rezensionen verfasst.
Bei unserer nächsten Besprechung sind wir allerdings ganze zwei Jahre zu spät.
Und das auch nur, weil es offenbar in Deutschland noch niemanden aufgefallen ist, dass uns mit Im Einsatz - Alerte en Pays neutre eine unglaubliche gute Komposition vorliegt... .
Die CD, im edlen digipak, wurde 2010 von Slaughter in Art veröffentlicht.

Zwar haben die Schweizer nicht auch noch den Martial Industrial erfunden und doch gehört diese Scheibe ohne Zweifel zu den Besten aus diesem Bereich, die ich den letzten Jahren gehört habe.
So bleibt es mir ein Rätsel, wieso so wenig darüber geschrieben wurde, bzw. sie so wenig bekannt ist?!
Vielleicht ist die Ursache jedoch darin zu finden, dass es für potentielle Käufer schier unmöglich erscheint dieses Album zu erwerben, wenn man nicht ein Fratzenbuch-Profil besitzt.
Denn alle anderen Versuche den französischen Vertrieb Slaughter in Art zu erreichen, sind unweigerlich zum Scheitern verurteilt.
Was nicht nur sehr ärgerlich, sonder auch wirklich sehr schade ist!
Allerdings ist sie mitlerweile auf Castellum Stoufenburc erhältlich.

Denjenigen, die demnächst trotzdem einen Kauf nachzuholen gedenken, sei gesagt, dass es sich bei Alerte en Pays neutre um eines der reibungslosesten Konzeptalben handelt, was ich seit je her gehört habe.
Wie gut kennen wir aneinandergereihte Stücke, die einem großen Thema unterliegen, denen jedoch immer der rote Faden fehlt und die wie kleine Partikel im Raum umherirren.
Im Einsatz, oder auch mit seinem Projekt Die Macht bekannt, gelingt es auf seine minimalistische Art den Hörer gefangen zu nehmen, auch mit jedem folgenden Stück zu überzeugen und in die Apokalypse des zweiten Weltkrieges hineinzuziehen.
Selten, wahrscheinlich noch nie, habe ich ein Album gehört, auf dem ich wirklich jedes Stück immer und immer wieder hören könnte und dass mich vom Konzept, sowie von seiner Authentizität so überzeugt.
Zu oft wird in diesem Genre ein Sample an den nächsten gereiht und man versteht nicht wirklich, was uns der Künstler damit sagen möchte.
Auf Alerte en Pays neutre bin ich jedoch von dem Zusammenspiel aus getragener Melodik und zeitgeschichtlichen Samples überzeugt.

Musikalisch lässt sich der Stil von Im Einsatz mit Les Joyaux de la Princesse und den ruhigeren Stücken von Wappenbund vergleichen.
Aber alles in allem gibt es meiner Meinung nach nichts Vergleichbares.
Die Trommeln und Rhythmen werden meist dezent im Hintergrund gehalten und die düstere, apokalyptische Stimmung vorrangig mit Orgeln und tiefen Klangteppichen erzeugt.
Ausnahmen sind zum Beispiel Regards D'enfants, in dem die martialischen Rythmen hervorstechen und welches definitv zu den Höhepunkten des Albums zählt.

Ich kann mich also nur wiederholen, wenn ich sage, dass ich es nicht verstehen kann, wieso diese Veröffentlichung nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es zu Recht verdient hätte.
Aber das wird sich ja vielleicht hiermit ändern... .

Narzissus

Triarii - Exile

Triarii - Exile
CD
Vertrieb: Eternal Soul
Erscheinungsjahr: 2012





Ich gehöre mit Sicherheit zu jenen, die es kaum erwarten konnten, dass uns neue Klangwerke aus dem Hauptquartier Triarii's erreichen und wir wieder eintreten können in das Reich der Löwen und Legionen.
Nur wenige Wochen nach seiner Veröffentlichung darf auch ich endlich das gute Stück in den Händen halten und.................ich bin schockiert!

Ein schlichte Aufmachung, im qualitativ schlechten digifile und das vor der Gewissheit gerade mal ganze 29:57 Spielzeit zur Verfügung zu haben.
Ein halbes Album zum Preis eines Ganzen – versteht sich!

Die Frage drängt sich mir auf, ob dies einem 'Emperor of the sun' würdig sei... .

Und da bin ich auch schon beim Stichwort:
schon mit den ersten Klängen erwache ich aus der Schockstarre und werde wieder einmal gefangen genommen, so wie immer, wenn mir die Klanggewalt der Triarii-Alben entgegenschmättert – natürlich nur mit dem adäquaten Boxen - versteht sich!

Dass Triarii mittlerweile von 'We are the sun' zum 'Emperor of the sun' aufgestiegen ist, empfinde ich als durchaus sympathischen Größenwahn und bin verleitet den Befehlen Folge zu leisten und demütig in die Knie zu gehen.
Spätestens mit 'Iron Fields' ist mein Groll dann gewichen und ich befinde mich geistig nicht mehr in dieser Welt, sondern erwache Seite an Seite mit den vertrauten Gefährten, Schild und Schwert in den Händen.

Das und genau das, lässt mich allerdings wieder wütend werden.
Denn so sehr ich mich auch über den kommerziellen Geschmack dieses Mini-Albums echauffieren könnte, so sehr ist Triarii nun mal auch 'Emperor of the hearts'!

Somit werde ich am Ende doch zu den 2000 Glücklichen zählen, die diese limitierte Scheibe erwerben konnten!

Narzissus

Spreu & Weizen - Gott vergelt's

Spreu & Weizen - Gott vergelt's
CD
Vertrieb: Lichterklang
Erscheinungsjahr: 2011






Das zweite Album der bavarianischen Künstler ist unlängst bei Lichterklang erschienen und wird im Folgenden etwas verspätet rezensiert:

Es gibt Stimmen, die sagen: Spreu & Weizen seien die besseren Von Thronstahl.
Diese Aussage könnte als Kompliment aufgefasst werden, erhallt in meinen Ohren aber als negativer Klang, möchte man als eigenständiger Künstler wahrgenommen werden.

Jedoch drängt sich dieser Vergleich nicht zu Unrecht auf, wenn man ihre neue Scheibe Gott vergelt's zu hören bekommt.
Mindestens 4 der 10 Stücke werden unweigerlich mit der Person in Verbindung gebracht, die Von Thronstahl zu dem gemacht hat, was sie sind – Josef Klumb.

Was einerseits als musikalische Bereicherung verstanden werden kann, und aufgrund der ideologisch, religiösen Schnittstellen schon fast zwingend erscheint, wirkt andererseits wie die Suche nach dem eigenem Stil.
Sowieso ist dieses Album von Kollaborationen geprägt und unterstreicht einmal mehr, dass Spreu & Weizen keineswegs nur Spreu & Weizen sind.
Stattdessen begegnen wir einer Heerschar von musikalischen Größen und jenen, die dabei sind welche zu werden.

Deshalb fällt es schwer Spreu & Weizen im Einzelnen zu bewerten.

Dabei brauchen sie sich rein gar nicht hinter bekannten Gesichtern zu verstecken, sind für mich doch gerade die Stücke ohne Fremdbeteiligung die Gelungensten.
Mal abgesehen von Rome is calling, an deren Kollaboration mit Karma Marata ich mich nicht satt hören kann.
Allerdings sind es meines Erachtens gerade Stücke wie Europa der Freiheit oder Dreams of Rome, die als tragende Säulen des Albums hervorstechen und den eigenen Stil Spreu & Weizen's ausmachen.

Letztlich muss ich positiv konstatieren, dass Spreu & Weizen sich eben nicht in das enge Korsett des ein oder anderen Genres reinzwängen lassen, sondern man uns im Gegenteil mit einem erfrischenden Potpourri erfreut, dessen Einflüsse unter anderem im Neofolk, Punk, Psychedelic Rock und Martial Industrial zu finden sind.

Wahrscheinlich ist eben genau das der Stil dieser Musiker, dass sie sich eben nicht kategorisieren und mit dem ein oder anderem Künstler vergleichen lassen... .
Womit es ihnen am Ende gelungen wäre, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Gott vergelt's ragt heraus und begleitet uns in eine neue musikalische Kultur des Abendlandes.

Narzissus 

Osewoudt - Gelag Van Zwartgeklede Kraaien

Osewoudt - Gelag Van Zwartgeklede Kraaien
CD
Vertrieb: Lichterklang
Erscheinungsjahr: 2011






Endlich ist es soweit!

Auf den üblichen Weltnetzseiten haben in den letzten Monaten die Musiker von Osewoudt auf sich aufmerksam gemacht.
Ihr trockener, mal kämpferischer und mal sehr melancholischer Stil prägte sich ein und liess die Neofolk-Gemeinde aufhorchen.

Nun ist ihr erstes Album auf Lichterklang erschienen, das Warten hat ein Ende und es hat sich gelohnt.

Nach einem kurzen Intro wird man mit zwei Stücken begrüßt, die man schon von ihrer Demo kannte.
Allerdings sind sie mit zusätzlicher Instrumentalisierung unterlegt, was sie noch kräftiger klingen lässt.

Ab Lied 4 hört man dann gebannt neue, noch unbekannte Klänge und kann sich verzaubern lassen.
Im weiteren Verlauf wechseln immer wieder mal langsamere und schnellere Stücke, melancholischer und kämpferischer Sprechgesang, der mal von Willem Witte (welchen man eher mit Strydwolf verbindet) oder mal von Dave Geensen (der den eigentlichen Stil von Osewoudt ausmacht) vorgetragen wird.
Auch wird von Stück zu Stück immer mal wieder von ihrer Heimatsprache (niederländisch) auf Deutsch gewechselt.
Der Gesang in Deutsch ist gewöhnungsbedürftig und wirkt leider manchmal so, als ob man sich an deutsche Neofolk-Größen herandrängeln möchte.
Für mich wirkt es authentischer, wenn sie in ihrer eigenen Sprache vertonen.

Mit Lied 8 befindet sich auch eine Kollaboration auf dem Album.
Die Sonne dreht sich um mich wird stimmlich von Art Abscons und seiner Frau verstärkt und hat Ohrwurmcharakter.
Sehr sympathisch finde ich, dass Art Abscons sich stimmlich was zutraut, was im Neofolk, mit meist männlicher Stimmendominanz, eher die Ausnahme ist.

Ein nächstes Glanzlicht des Albums ist mit Sicherheit In eigen Hand.
Schmetternde Trommeln, die an Volksweerbaarheid erinnern, melodische Gitarren und ein fast punkiger Gesang führen bei mir dazu, dass der Dauerschleifeknopf gedrückt wird.

Zum Abschluss wird es mit Lied 13 nochmal ergreifend.
Weit weit hin ist geschrieben und gesungen von Willem Witte, wird jedoch von einem zweiten männlichen Gesang unterstützt und erreicht damit eine ergreifende Tiefe.
Anschliessend wird man noch einmal vom Trommeltakt zu Zonen van Rotterdam getragen, das auch schon auf der Demo zu hören war.
Am Ende noch ein ruhiges Instrumental und das erste Kapitel Osewoudt ist abgeschlossen und es wäre verwunderlich, würde man es nicht gleich wieder von vorne hören.

Fazit: Die Stimmen jener, die dem Neofolk eine Zukunft absprechen wollen, werden mit diesem Album Lügen gestraft.
Klar, Neofolk wird auch hier nicht neu erfunden, aber wozu auch?!
Wer Neofolk kauft, will auch Neofolk hören.
Nach einer längeren Durststrecke und dem Warten auf musikalische Lebenszeichen der üblichen Verdächtigen etabliert sich mittlerweile eine neue, unverbrauchte Neofolk-Kaste, zu denen unter anderem auch Osewoudt gehören.
Wer also weitherhin an Neofolk gefallen findet, kommt an dieser Scheibe nicht vorbei!

Narzissus 

Strahlkraft - Propagandaorgan für Neofolk-Kultur

Strahlkraft - Propagandaorgan für Neofolk-Kultur
Magazin
Erscheinungsjahr: 2010








Mit Strahlkraft hält der Leser ein 68-seitiges Din A5 Magazin in den Händen, welches 2010 beim kleinen Label Castellum Stoufenburc erschienen ist.
Ich selbst habe das Vorwort zum Heft verfasst, welches wie folgt angekündigt wird:

Strahlkraft tragen all jene, die sich kultureller Verluste erwehren!
Deshalb haben sich einige Künstler und Ästheten aus unterschiedlichen Neofolkbereichen zusammengefunden, um der faszinierenden und polarisierenden Kunst wieder eine Stimme zu geben.
Dem schleichenden Prozess der totalen Technisierung von Leben und Kultur wollten wir ein altbewährtes kulturelles Gut entgegensetzen - das Magazin.
Neofolk und seine ihm zugerechneten Musikstile, aber auch Poesie und andere Kunst sollen hier ihren Platz finden.
Dazu sind alle Künstler und Liebhaber aufgerufen sich am zukünftigen Inhalt der Strahlkraft-Ausgaben zu beteiligen.

Die erste Ausgabe wird von einem Artikel von Josef Klumb dominiert, von einigen kürzeren Künstlervorstellungen flankiert und mit einer Befragung zum neuen Album von Halgadom abgerundet.
Zusätzlich überrascht sie mit dem ein oder anderem künstlerischen Beiwerk und lohnt sich schon allein aufgrund ihres ästhtischen Anblicks.
Das 68-seitige Heft erscheint in deutsch, mit darauf folgenden englischen Übersetzungen.

Es gibt bereits einige Rezensionen über das Heft, welche auch auf der Seite des Vertriebs zu entdecken sind.
Ihrem Grundtenor schliesse ich mich an, dass zweifellos dieses Heft ausbaufähig ist.
Sicherlich hängt die Zukunft des Strahlkraft-Projektes auch davon ab, wie groß das Interesse bleibt, die Idee dahinter zu unterstützen und gedruckte Zeitschriften, virtuellen Schreiberein vorzuziehen.
Wahrlich wird die Existenz einer freigeistigen Kultur nicht am Erscheinen, bzw. Nichterscheinen dieses Heftes fest zu machen sein, jedoch wird uns mit jedem weiteren Aussterben eines kulturellen Gutes die Macht der Kulturlosigkeit der Moderne vor Augen geführt.

In diesem Sinne - Im Geiste frei! 

Narzissus